Twitter exklusiv: Blumenkübel zerstört

Die Twitter-Gemeinde macht sich zur Zeit über die Münstersche Zeitung lustig, die in ihrem Neukirchener Lokalteil darüber berichtet, daß in einem Altenheim der Stadt ein Blumenkübel zerstört wurde. (Bericht der Münsterschen Zeitung hier).

Es mag sein, daß der Anlaß für einen Bericht mit Foto manchem Internet-Nutzer ein wenig nichtig erscheint. Die Bewohner des Altenheims werden sich wirklich geärgert haben und immerhin war das Teil 150 Euro wert. Ich weiss, wie schwer es sein kann, täglich Relevantes aus einer kleinen Region in die Zeitung zu bringen.

Was mich aber fasziniert, ist die Reaktion der Twitter-Gemeinde, nachdem einer mal begonnen hatte, sich über diesen Beitrag lustig zu machen:

Irgendwann gegen 2 Uhr nachts twitterte ein user namens @Clusto:

Top Meldung des Tages! // Großer Blumenkübel zerstört – Münstersche Zeitung: http://bit.ly/9QAafC

Andere nahmen das auf:

@laszloriedl: #Vandalismus in Deutschland auf dem Vormarsch: http://bit.ly/9AyFTE (expand) #Blumenkübel in Münster zerstört und es war sogar ein großer! Please RT!

@RicoCB: +++ EILMELDUNG +++ Gutachter bestätigt: Der #Blumenkübel ist kaputt. http://bit.ly/alR3I4 (expand)

@dadamsda: n-tv aus Münster: Zeugen vor der Kamera. Blaulicht. #Blumenkübel wird abtransportiert. Bürgermeister verweigert Rücktritt.

@Adnava: EIL +++ Gespräche über Bundesverdienstkreuz für den #Blumenkübel, der sich mutig den Randalierern in den Weg stellte +++

@DerSchulze: EIL + #Blumenkübel Tragödie: US Präsident Obama spricht von Katastrophe für westliche Welt + Angriff auf die Freiheit.

Sekündlich treffen neue 140-Zeichen-Nachrichten zum Thema ein, die man hier verfolgen kann.

Die Sache führt vor Augen, wie leicht per twitter manipuliert werden kann: Zum einen die Listen der Top-Themen (vor ein paar Tagen habe ich mitgeholfen, das norddeutsche „Moin“ zum meistdiskutierten Thema im deutschsprachigen twitter-Netz zu machen) und zum anderen die Fakten: Alles was zum Blumenkübel-Fall in Münster veröffentlicht wird, ist ja schlicht erstunken und erlogen – und kommt doch wegen der ähnlichen Reflexe bei großen Katastrophen oder Unglücken irgendwie vorstellbar daher.

Der Blumenkübel in Neukirchen zeigt die Stärke von Twitter: Die rasend schnelle Verbreitung von Nachrichten und Themen. Und er zeigt seine Schwäche: Die jederzeit mögliche Manipulation von Multiplikatoren, die hohen Einfluß in ihren Netzwerken haben.

Ein Blumenkübel mußte in Neukirchen dran glauben: Ein spannendes Thema!

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Nachtrag: Um 14:30 Uhr liegt das deutsche Wort Blumenkübel (mit „ü“!) in den weltweiten (!) Twittercharts auf Platz 4 der meistdiskutierten Themen. Bei der Münsterschen Zeitung ist es heute selbstverständlich der meistgelesene Artikel.

Ansonsten reagieren die Kollegen dort sehr souverän und erzählen ihre Sicht der Dinge (Artikel hier): Demnach stammt der Beitrag von einer Kollegin, die erst seit einer Woche für die Zeitung tätig ist und ihre ersten journalistischen Schritte geht (was für ein Karrierestart!) und der erste twitterfeed sei von einem anderen Kollegen gekommen. Der erste twitter-Eintrag mit dem hashtag #blumenkübel, der dann den virtuellen flashmob auslöste, stammte allerdings nach meinen Recherchen von @clusto

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Blogger seit 2005. Und immer wieder von Neuem überrascht